Ich werde hier nicht detailliert auf die Entstehungsgeschichte meiner Essstörung eingehen, möchte lediglich kurz berichten wie es dazu kam und wie ich damit umgehe.

Ich hatte schon früh als Kind, einen nicht wirklich normalen Umgang mit Essen. Mir wurde nie wirklich gezeigt bzw. gelernt was es heißt sich richtig und gesund zu ernähren.
Bereits im frühen Grundschulalter begann ich, mich für Diäten, Abnehmtipps, Fitnessübungen ect. zu interessieren. Ich schnitt diese Sachen immer von den Zeitschriften meiner Mutter aus und legte mir ein Heft zu, in dem ich das alles sammelte. Ich interessierte mich auch für die Diätbücher meiner Mutter, obwohl meine Mutter immer schon schlank war und ist. Ich nahm mir diese Bücher heimlich mit in mein Zimmer, las sie und sammelte immer weiter Tipps und Tricks zum Thema Abnehmen. Doch das war alles noch normal.

Als ich 14 Jahre alt war, trennten sich meine Eltern. Mein Vater ließ mich und meine Familie im Stich - für eine andere Frau. Er zog von einem Tag auf den anderen aus, ohne eine Verabschiedung, ohne ein Wort. Für mich brach eine Welt zusammen, ebenso für meine Mutter. Es vergingen Tage, Wochen, Monate, doch der Schmerz, die Trauer, die vielen Fragen und der Hass gegen meinen Vater wurden nicht weniger. Es dauerte lange, sehr sehr lange, bis ich mich wieder einigermaßen gefasst hatte. Doch da war es bereits zu spät. In dieser schweren Zeit, rutschte ich unbewusst in die Essstörung, aß tagelang nichts und nahm ab. Ich hatte einen BMI von 15, und auch Freunde und Familie merkten wie dünn ich geworden war und machten sich Sorgen.
Irgendwann wurde mir das ganze Ausmaß meines Verhaltens bewusst, doch ich unternahm nichts dagegen. Im Gegenteil, ich begann Essprotokolle zu führen, begann penibel genau Kcal zu zählen und kontrollierte täglich mehrmals mein Gewicht. Ich denke dieses Verhalten machte es mir einfacher mit dem Zerbrechen meiner Familie umzugehen, es war oder ist eine Art Schutzschild. Für nicht Betroffene ist es schwer nachzuvollziehen was in einem mit dieser Krankheit vorgeht und noch viel schwerer es zu verstehen.

Ich hoffe trotzdem dass einige meine Worte verstehen werden.

Ich habe bis heute immer noch keinen Kontakt zu meinem Vater - er versucht es zwar immer wieder einen Kontakt zu mir aufzubauen, doch ich schaffe das einfach noch nicht. Der Schmerz sitzt immer noch zu tief.

Und lasst euch noch eines gesagt sein - eine Essstörung ist eine ernste Krankheit, KEIN Lifestyle, KEIN Spaß und hat KEIN BISSCHEN mit Coolheit oder sonstigem zu tun.
An alle die meinen Blog lesen und gesund sind, schätzt dies bitte sehr und seit froh dass ihr normal mit Essen umgehen könnt. Ich wünschte ich könnte es auch.

 

 

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